Vom Suizid zum Selbstmordattentäter
17. Dez 2007 von Sebastian
Letzte Woche habe ich im Rahmen des Philosophieunterrichtes eine Doppelstunde über das Thema Suizid, also den Freitod, vorbereitet und geführt. Nur zur Info, ich gehe in den 13. Jahrgang eines Gymnasiums. Der Kurs besteht aus rund 18 (ohne Gewähr) mehr oder weniger motivierten Menschen, die entweder wirklich interessiert sind, oder wie die Mehrheit einfach nur eine gute Note für das Abitur brauchen.
Meine Planung sah folgendermaßen aus: Angefangen bei den Gründen für einen Suizid, über die Einstellung zum Suizid in verschiedenen Religionen und Gruppierungen, über die Selbstmordattentäter, hin zur Sterbehilfe. In zahlreichen teils angeregten Diskussionen kamen einige Aspekte auf, die ich an dieser Stelle einmal kommentieren möchte. Nachdem ich, zusammen mit meinen Mitschülern, die Einstellung zum Suizid in der Antike, den Philosophenschules des Altertums, dem Christentum und dem Buddhismus erarbeitet und diskutiert habe, stellte ich folgende Frage:
“Und was meint ihr, welche Einstellung hat der Islam dem Suizid gegenüber?”
Als einstimmige Antwort vieler Schüler kam sinngemäß Folgendes: “Ja positiv, die ganzen Selbstmordattentäter begründen ihre Taten doch mit dem Koran und so…”
Ich gebe zu, dass ich diese Antwort fast erwartet habe, jedoch hätte ich nicht gedacht, dass dies die einstimmige Antwort des Kurses wäre. Immerhin sollten wir doch als kritisch denkende Menschen gelten.
Tatsächlich ist das Thema Selbstmordattentäter und Islam ein weites und schwieriges Thema. Man sollte jedoch nicht den Fehler machen und alles glauben, was zur Zeit in den westlichen Medien propagiert wird. Auch im Koran wird gesagt, dass Töten nicht erlaubt ist und die Mehrheit der Muslime verurteilen die Selbstmordattentate, wie die des 11. Septembers 2001, genauso wie wir als westlich geprägte Menschen. Die Islamisten, Menschen die radikale Auslegungen des Koran für politische Ziele missbrauchen, gehören zu einer Minderheit der Muslime. Diese radikalen Gruppen interpretieren beispielsweise den Dschihad als reinen Krieg gegen die Ungläubigen. Die Mehrheit der Muslime sieht im Dschihad jedoch vor allem die Auseinandersetzung mit Allah (~Gott). Die täglichen Hindernisse, sich auf seinen reinen Glauben zu konzentrieren und ein frommes Leben zu führen, bezeichnen diese Menschen als Dschihad. Die Antwort zu der Frage ob die Auslöschung nicht-gläubiger Menschen im Koran verankert ist, kann ich nicht ganz klären. Man findet zuviele wiedersprüchliche Zitate aus dem Koran, wo es einerseits um Religionsfreiheit und Frieden[1][2] geht, andererseits jedoch auch der Krieg gegen die Ungläubigen[3] propagiert wird. Gerade deswegen sollte man auf die Reaktionen der Muslime auf den Terror eigehen. Deutsche Muslime demonstrierten beispielsweise mit rund 20000 Mann/Frau im November 2004 in Köln gegen den Terror[4]. Auch im Irak und anderen Ländern gingen mehrere Tausend Demonstranten auf die Straße, um gegen den Terror im Namen des Islam zu protestieren
und demonstrieren.
Ich denke man sollte nicht den Fehler machen und alle Muslime über einen Kamm scheren. Sicherlich ist der islamistische Fundamentalismus eine ernste Bedrohung, doch ist das Bild, dass momentan den “bösen Moslem” in den Medien verbreitet falsch und führt, wie man an keinem Kurs sehen kann, zu Vorurteilen.
Man sollte die Menschen erst einmal kennenlernen, ihre Kultur und ihren Glauben, bevor man sie pauschal als Terroristen abtut. Der Hass, der in vielen Menschen aus dem Nahen Osten steckt, liegt vor allem in der Vergangenheit begründet. Wo die westlichen Mächte nur Krieg, Leid und Armut verbreitet haben wächst natürlich eine gewisse Abneigung gegen eben diese. Nichts desto trotz macht dies nicht aus allen Muslimen Selbstmordattentäter, die nur darauf warten irgendetwas im Westen hochzujagen.
An dieser Stelle möchte ich auf ein Buch hinweisen, das ich vor Kurzem gelesen habe: John Updike – Terrorist [5].
Das Buch erzählt die fiktive Geschichte eines 18-Jährigen US-Amerikanischen Jungen Ahmed, der als streng gläubiger Moslem den Weg zu einem Selbstmordattentat findet. Die Geschichte ist sehr interessant geschrieben, und sie ermöglicht einen Einblick in die Gedankenwelt eines heranwachsenden Selbstmordattentäters. Nungut, dieser Text ist schon ziemlich lang geworden. Deswegen werde ich an dieser Stelle den Eintrag beenden, und einen zweiten Teil über das Thema Suizid schreiben….und auch wirklich dann zum Thema Suizid kommen
Sebastian
- [1] - http://muslime-gegen-terror.de/pdf/koranzitate1.pdf
- [2] - http://muslime-gegen-terror.de
- [3] - http://www.koran.terror.ms/ - unter 1)
- [4] – http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,328990,00.html
- [5] – http://www.amazon.de/Terrorist-John-Updike/dp/3498068857/ref=pd_sbs__1_img?ie=UTF8&qid=1197919224&sr=8-1









