Suizid, Grundrecht auf den Freitod?
23. Dez 2007 von Sebastian
Wie angekündigt möchte ich nun den 2. Teil meines Beitrages zum Thema Suizid schreiben. Im letzten Beitrag bin ich etwas vom Thema abgekommen, mal schauen ob ich es dieses Mal besser hinbekomme
Die Frage, die ich stellen möchte, ist: ”Gibt es ein Grundrecht auf die Selbstbestimmung des Todeszeitpunktes?”.
Oder überhaupt zur Frage, ob es einen gerechtfertigten Grund gibt für den Suizid.
Vorweg muss man sagen, dass die meisten Suizide auf Grund psychischer Erkrankungen begangen werden[1]. Unter Erkrankungen wie Psychosen, Depressionen und bipolaren Störungen ist eine wesentlich erhöhte Selbstmordrate zufinden. Unter diesen Umständen kann man wohl kaum auf einen Freitod kommen, da die betroffenen Menschen nicht voll zurechnungsfähig sind. Aber was ist mit den Menschen, die auf Grund von massiven negativen Erlebnissen (ohne dass diese zu Depressionen führten) den Freitod wählen? Es gibt meiner Meinung nach Situationen, indem der Suizid eine Lösung sein kann. Beispielsweise der Alters-Suizid, wenn eine sterbenskranke Person kein weiteres halbes Jahr vor sich hin vegetieren möchte. Ebenso wenn jemand die Bilanz seines Lebens zieht und für die Zukunft nur schlechte Aussichten sieht. Natürlich könnte man sagen “Schau doch erst einmal, was die Zukunft bringt”, aber sollte die Person nicht selbst entscheiden, ob es noch einen Sinn hat? Für wen hielten wir uns, wenn wir dieser Person ihren Freitod verwehren würden? “Selbstmord ist doch nur Feigheit”, diese Aussage habe ich während meiner Recherchen zum Thema immer wieder gefunden. Für mich impliziert Feigheit, dass man etwas macht, obwohl man weiß, dass es eigentlich nicht die richtige Entscheidung wäre. Man ist immer jemandem gegenüber feige. Entweder dem Kollegen, weil man sich nicht traut ihm zu sagen, dass man mit etwas unzufrieden ist, oder sich selbst gegenüber, weil man vor Problemen flüchtet. Dabei wird man stets von seiner Angst geleitet.
Gerade die vorletzte Aussage lässt sich prima auf den Suizid anwenden. Flieht man nicht vor seinen Problemen, wenn man den Freitod wählt? Ich würde behaupten nein. Gemäß dem Fall, dass der Suizid wirklich frei und gut durchdacht gewählt wurde, war man nicht feige. Man hat sich weder von seinen Ängsten leiten lassen, noch zweifelt man an seiner Entscheidung (mal abgesehen davon, dass man wohl hinterher nicht mehr zweifeln kann). Und selbst wenn manche Menschen den Suizid als Feigheit bezeichnen, ist dies ein Grund ihn zu tabuisieren?
Ein Aspekt der in der Klassendiskussion während meiner Unterrichtsstunde aufkam, ist die Frage des Egoismus. “Es ist egositisch den Hinterbliebenen gegenüber den Freitod zu wählen, man lässt sie mit ihrem Schmerz allein”. Nunja, was ist denn egoistischer, einige Bekannte trauernd zurück zu lassen, oder jemandem den Suizid verwehren, weil man selbst sonst traurig wäre?
“Nein, ich nehme es dir mega übel wenn du dich umbringst, nur weil du Tod unglücklich bist, und das Leben für dich eine einzige Qual ist. Ich habe keine Lust wochenlang über dich zu trauern, du kannst doch lieber Jahrelang unglücklich sein, das ist doch für uns alle das Beste”, so könnte man es überspitzt darstellen.
Ein anderer interessanter Gedankengang ist auch: Ein Selbstopfer, bei dem jemand sich selbst Opfert (und damit Suizid begeht) um andere Menschen zu retten die sonst verletzt oder getötet werden würden, wird meistens als Held gefeiert. Kaum jemand würde seinen Freitod verurteilen, immerhin rettete er damit Menschenleben, oder hat Menschen davor bewart, verkrüppelt herumlaufen zu müssen. Warum ist dann der Gedanke den Suizid zu begehen, weil man sonst selbst nur noch Schmerzen erfahren würde, so verpöhnt? Anderen darf man mit dem Freitod etwas Gutes tun, warum nicht auch einem Selbst?
Die Religion lasse ich als Atheist einmal aus dem Spiel, außer der Frage “Wem gehört eigentlich mein Leben?”.
Ich würde ganz klar sagen mir, wem sonst? Da es weder einen Gott gibt, noch andere Personen/Dinge denen ich soetwas zutrauen kann, und ich die Möglichkeit habe mein Leben selbst in die Hand zu nehmen, gehört mein Leben wohl mir, genauso wie mein Körper, bei dem ich ja immerhin das Recht auf äußerliche Unversehrtheit etc. habe. Wenn es kein Grundrecht gibt über die Selbstbestimmung des Lebens, hält man uns dann nicht ein Recht vor? Und wem spricht man dieses Recht zu, wenn nicht einem selbst? Dürfen andere Personen über mein Leben bestimmen? Was gibt ihnen das Recht dazu?
Ich hoffe ich konnte jemanden anregen über das Thema einmal nachzudenken. Es ist ein sehr spannendes Thema, wie ich finde.
Sebastian
- [1] http://www.suizidprophylaxe.de/Ohne%20Java/Infos_Suizidalitaet/epidemiologieohne.htm









